RECHTSCHREIBUNG - IMMER AKTUELL UND OFT KONTROVERS DISKUTIERT

Die integrative Methode

Informationen und Antworten zu

- unseren Grundlagen
- unseren Gründen, warum wir "Schreiben lernen mit Bene und Nele" entwickelt haben
- unserer "integrativen Methode"
 
In unserem Buch "Praxis-Fachbuch für den kompetenten Rechtschreibunterricht" ist alles umfassend ausgeführt.
 
Natürliche Kompetenzen der Kinder

Normalerweise sprechen schon Vorschulkinder Wörter und Sätze in der richtigen Prosodie: Betonung, Rhythmik und Sprachmelodie (Intonation). Die Prosodie spielt in der Sprachentwicklung eines Kindes eine entscheidende Rolle, wird in der Ausbildung zum Erzieher oder Lehrer jedoch nur selten thematisiert. Folglich wird sie sowohl im Kindergarten als auch im Schulalltag kaum bzw. nicht berücksichtigt.

Die Forschungsergebnisse belegen, dass sich bereits im 1. Lebensjahr die „prosodische Sensibilität“ entwickelt, d.h. es bildet sich die prosodische Wahrnehmungsfähigkeit und Verarbeitung deutlich heraus. Diese Fähigkeiten sollten bei der weiteren Sprachentwicklung unbedingt aufgegriffen werden, da die Prosodie sowohl für das Verständnis eines Textes als auch für viele Bereiche der Orthographie relevant ist. Ein kleines Beispiel: end oder ent? Wird die Silbe betont, schreibt man end (endlich), ist sie unbetont, schreibt man ent (entfernt). Die einzige Ausnahme ist entweder.

Allerdings ist im schulischen Alltag oft genau das Gegenteil zu beobachten. Statt den Schülern ihre „natürliche“ Aussprache bewusst zu machen, nivelliert die Pilotsprache (Überlautung) die Vokalqualität und -quantität. Dasselbe passiert bei Klatsch- und Bewegungsspielen sowie beim Silbenschreiten, wenn zu jeder Silbe auf dieselbe Weise agiert wird. Dadurch entsteht eine „Parallelwelt“. Die „automatische Fähigkeit“ degeneriert, die Schüler lernen nicht auf ihre natürliche Aussprache zu hören. Stattdessen wird zur Verdeutlichung der Schriftsprache eine künstliche Sprechweise geschaffen. Das bedeutet, dass „quasi mit Absicht“ eine natürliche Kompetenz verloren geht. Noch drastischer formuliert: Eine vorhandene Kompetenz wird systematisch abtrainiert.

Die Regelhaftigkeit der Schreibung deutscher Wörter

Die phonologische Struktur der Lautsprache wird durch die Schriftsprache abgebildet. Die hörbaren Laute (Phoneme) werden durch Buchstaben (Grapheme) realisiert. Die Entsprechung von Laut und Buchstabe wird PGK = Phonem-Graphem-Korrespondenz (Buchstabe-Laut-Beziehung) genannt. Ein Graphem repräsentiert in der Regel ein Phonem. Daraus ergibt sich umgekehrt die GPK: Ein oder mehrere Buchstaben realisieren ein Phonem.

Die Grundstruktur eines deutschen Wortes und somit der Kernbereich der deutschen Wortschreibung besteht aus zwei Silben im Trochäus. Die 1. Silbe (Hauptsilbe) ist betont, die 2. Silbe (Reduktionssilbe) unbetont. Beispiele: Silbe, Fehler, Tafel, Ranzen. Das  Merkmal der unbetonten „Reduktionssilbe“ ist der Vokal <e>.

Der Vokal wird in der betonten, offenen 1. Silbe in der Regel lang gesprochen. Die Silbe endet mit einem Vokal.

Der Vokal wird in der betonten, geschlossenen 1. Silbe i.d.R. kurz gesprochen. Einem Kurzvokal folgen regelhaft mindestens 2 Konsonanten, entweder in derselben oder in Verbindung mit der folgenden Silbe.

Merksatz: Der Nukleus (Kern) der Silbe ist immer besetzt. In jeder Silbe befindet sich ein Vokal.

Einsilber (Stuhl, Berg, lang, kurz), werden in ihrer Explizitform (durch Flexion per Plural oder Komparativ) zu Zweisilbern in der trochäischen Struktur. Beispiele: Kind – Kinder / kalt – kälter. Beachte: Verben sind in ihrer Grundform (Infinitiv) immer zweisilbig!

Wörter, die von dieser Struktur abweichen, sind Funktionswörter (ab, und, zu,…) oder Fremdwörter (Gag, Shop,…)!

Aktuelle Didaktik und Forschungsergebnisse

Die Häufigkeit der Buchstaben des deutschen Alphabets ist sehr unterschiedlich. Die häufigsten Buchstaben sind die Vokale <e> (Angaben in %: 17) und <i> (8) sowie die Konsonanten <n> (10), <s> (7) und <r> (7). Auf diese 5 Buchstaben entfallen etwa 50%, anders ausgedrückt: Jeder 2. Buchstabe ist ein <e, i, n, s, r>. Auf die nächsten 5 Buchstaben (A, T, D, H, U) entfallen über 25%. Die auf unterschiedlichen Vorgaben beruhenden Zählungen (im Internet recherchierbar) divergieren nicht gravierend voneinander.

2011 haben Thomé/Siekmann eine sehr sinnvolle Überlegung umgesetzt. Sie haben die unterschiedliche Aussprache der Buchstaben (Grapheme) ebenfalls berücksichtigt. Deshalb wurden z.B. die mehrgliedrigen Grapheme <ch>, <ei> und <sch> ebenso wie die unterschiedlichen Aussprachen des <e> getrennt berücksichtigt und gezählt. Damit wurde eine wesentlich aussagekräftigere Korrespondenz zwischen Graphem und Phonem hergestellt.

Die über das Wörterbuch nachprüfbare Standardschreibung wird mit der Standardlautung verknüpft. Zu jedem Phonem gibt es ein Graphem, welches oft mit weitem Abstand am meisten geschrieben wird. Thomé nennt sie Basisgrapheme (seit 2018 auch Basisschreibung), die seltener gebräuchlichen Schreibungen Orthographeme (seit 2018 auch Nebenschreibung). Wir unterscheiden zwischen der Hauptschreibweise als „Hauptschreibung“, also so wie es meistens bzw. in der Regel geschrieben wird und der Ausnahmeschreibweise.

Das Haus-Garage-Modell

Kinder brauchen eine Vorstellung „wie Schrift funktioniert“. Erst in Verbindung mit dem (Er-) Kennen der Buchstaben und der grundlegenden Struktur von Silben und Wörtern lernen die Kinder ihre eigene Sprache zu reflektieren. Röber hat 2009 als Erste hierfür das Haus-Garage-Modell entwickelt, hier das modifizierte Model von Bredel (2010):

Es visualisiert neben der Silbenstruktur und der Betonung zusätzlich das Stammmorphem von deutschen Wörtern im trochäischen Basismuster. Wörter mit dieser Struktur stellen den Kernbereich der deutschen Orthographie dar.

Das Haus (mit Dach) stellt die betonte Hauptsilbe dar, die kleinere Garage die „unbetonbare“ Reduktionssilbe. Der Onset (Anfangsrand) jeder Silbe ist abgetrennt. Nukleus (Kern) und Coda (Endrand) haben einen eigenen Platz (Raum), bleiben aber gleichzeitig zueinander offen. Damit wird der "Reim-Raum" gekennzeichnet (sein - fein / alter - Falter). Der zusätzliche graue Hintergrund markiert das Stammwort, welches bei einem deutschen Wort in der trochäischen Grundform immer durch die 1. Silbe in Verbindung mit dem Onset der Reduktionssilbe gebildet wird.

Wörter mit dieser Struktur sind (sollten sein) die Basis bei der Vermittlung der Rechtschreibung.

Warum noch ein neuer Rechtschreiblehrgang?

Die Gründe den Rechtschreiblehrgang „Schreiben lernen mit Bene und Nele“ zu entwickeln:

  1. Alle relevanten Studien (u.a. Leo 2011/18, IQB 2016/17) kommen zum Ergebnis, dass nach wie vor ein erheblicher Schüleranteil nicht richtig schreiben lernt.
  2. In der Wissenschaft ergeben sich laufend neue Erkenntnisse, aus denen interessante Überlegungen abgeleitet werden. Schulmaterial, in dem diese Ergebnisse umgesetzt sind, wird leider nicht erstellt.
  3. Die Schulbuchverlage, eigentlich zuständig für das Schülermaterial, verarbeiten nur sporadisch neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Dazu dieses bemerkenswerte Zitat von einem der 3 großen Schulbuchverlage: "...sind diese innovativen Ansätze aus unserer Sicht derzeit (noch) nicht in der Schule um- und durchsetzbar ...."
  4. Arbeitsblätter von Lehrern gibt es unüberschaubar viele, nur sehr selten sind die neuen Erkenntnisse verarbeitet. Zudem ist es äußerst schwierig, passgenaue zu finden.
Was bedeutet „integrative Methode“?

Unsere „integrative Methode“ berücksichtigt alle wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir für besonders überzeugend und wichtig halten und fügt diese zusammen. Daraus entwickelten wir das „pragmatische Modell“ (s. dort). Die praktischen Erfahrungen sind vielverprechend!

Die 3 wichtigsten Grundlagen:

  • Die systematische Vermittlung der deutschen Rechtschreibung, die in ihrem Kernbereich, dem 2-silbigen Wort (1. Silbe betont – 2. unbetont), regelhaft ist. (s. Bredel, Müller, Röber)
  • Das Phonem (s. Basiswissen) als 1. zentraler Lerngegenstand mit der jeweiligen Hauptschreibweise (s. Thomé, Corvacho del Toro).
  • Die Prosodie (Betonung, Intonation, Rhythmik) kommt als wesentliches Element hinzu (s. Höhle, Brandelik, Rautenberg).
Was ist das Besondere an diesem Rechtschreibkonzept?

Unser Rechtschreiblehrgang geht von der in weiten Teilen systematisch und regelhaft aufgebauten deutschen Schriftsprache aus; im Mittelpunkt stehen der Laut und die Silbe. Die Schüler lernen zunächst die Vokallänge zu unterscheiden und verstehen, dass trotz eines unterschiedlichen Lauts derselbe Buchstabe geschrieben werden muss. Sie lernen, dass dies ein wesentlicher Schlüssel für die Rechtschreibung ist.

Es wird am Anfang nur der Kernbereich der deutschen Wortschreibung verwendet. Das sind zweisilbige Wörter, bei denen die 1. Silbe betont ist und die 2. Silbe immer den Vokal <e> hat. Beispiele: sagen = ja, Salat = nein / Nele = ja, Timo = nein
Es werden nur Wörter verwendet, deren Laute in der Hauptschreibweise verschriftet werden. Beispiele: W-Laut: Wade = ja, Vase = nein / langes i: Biene = ja, Tiger = nein
Wörter mit orthographischen Besonderheiten werden nach und nach eingeführt. Am Anfang gibt es keine Doppelkonsonanz (kommen) und kein Dehnungs-h (Sahne).
 
In dieser Konsequenz ist das bisher einzigartig auf dem Schulbuchmarkt!
 
 
Aber das ist noch nicht alles!
Siehe: Das „pragmatische Modell“ (Silbensofa / Muster / Kronen / Dächer)
Was ist neu und einzigartig?

Das Rechtschreibkonzept und die Umsetzung mit unserem „pragmatischen Modell“ (siehe jeweils dort), ist einzigartig auf dem Schulbuchmarkt.

Von Anfang an wird vermittelt wie "Schrift funktioniert". Der Aufbau eines Wortes ist eins der zentralen Themen. Das ermöglicht einen durchgängig homogenen, systematisch aufeinander aufbauenden Unterricht. Strategiewechsel beim Übergang der einzelnen Lernentwicklungsphasen (alphabetisch – orthographisch – morphematisch) sind nicht (mehr) erforderlich.
Zudem findet keine Vermischung unterschiedlicher oder noch unbekannter Rechtschreibbesonderheiten statt.
 
Zur optimalen Umsetzung im Unterricht erhält der Lehrer zu jedem Thema (s. Module) ausführliche Informationen und z.T. umfangreiches Zusatzmaterial.
Wann, wo und wie kann das Rechtschreibkonzept eingesetzt werden?

Das Konzept kann in Form unseres Rechtschreiblehrganges „Schreiben lernen mit Bene und Nele“ in jeder Schulform, auch parallel zu anderen Rechtschreiblehrgängen, eingesetzt werden. Dabei sind auf Grundlage des silbenanalytischen Modells konzipierte Materialien am besten kompatibel.

Die Module, also die einzelnen Themen, sind so strukturiert, dass sie sowohl in ihrer Gesamtheit als auch mit einzelnen Seiten zur Differenzierung und Förderung eingesetzt werden können.

Der Zeitpunkt der Einführung ist abhängig von der Heterogenität der Lerngruppe und der Schulform. Wird von Anfang auf die Vokallänge geachtet, kann Modul 1 schon nach kurzer Zeit in der 1. Klasse eingesetzt werden. Die Arbeit ab Modul 2 ist davon abhängig, welche Buchstaben bekannt sind (s. Voraussetzungen).

Welche Voraussetzungen sind zu beachten?

Modul 1: Das Kennen der Vokale.

Ab Modul 2: Die Vokale und die leicht zu sprechenden und/oder häufig zu schreibenden Konsonanten (d, k, l, m, n, r, s, t).

Die weiteren Konsonanten des Anfangsunterrichts (b, f, g, h, p, w, z – sowie ch, sch) können, wie auch die Zwielaute und Umlaute, dann bei Bedarf parallel eingeführt werden.

Hinweis: In unseren Modulen werden von Anfang an relativ viele Buchstaben eingesetzt, da unser Wortmaterial nach diesen Vorgaben zusammengestellt wurde:

  • Zweisilber im Trochäer
  • den Kindern möglichst bekannte Wörter
  • nur Wörter mit Hauptschreibweise
Warum wird eine eigene Schrift eingesetzt?

Wir haben den Font „Anna Linea“ entwickelt, weil wir eine „Schüler-Druckschrift“ haben wollten, die nicht nur leicht zu lesen und zu schreiben ist, sondern in ihrer Ästhetik einer Standard-Druckschrift möglichst nahe kommt. Der Schrift, die die Schüler überall sehen.

Während die "DIN Standard-4er-Lineatur“, bei der alle 3 Bereiche gleich hoch sind, für Schreibschriften passgenau ist, sehen Schuldruckschriften in ihr "ungewohnt" aus. Die Lineatur für "Anna Linea" unterscheidet sich dadurch, dass der mittlere Bereich im Faktor 1,5 größer ist als der obere und untere Bereich. Auch die Schulbuchverlage verwenden bei ihren Druckschriften oft eine solche Lineatur. Dadurch ergibt sich der wesentliche Vorteil, dass für die kleinen Buchstaben viel mehr Platz vorhanden ist. So ist es auch bei den normalen Druckschriften, wobei bei denen dieser Bereich noch größer ist.

Im 1. Beispiel sind Ober-, Mittel- und Unterlänge der Lineatur gleich groß, also DIN-Norm entsprechend.

1. SAS (Schreib-Schulschrift) / 2. Dr. Hand (Schul-Druckschrift)

Alle gebräuchlichen Schreibschriften (SAS, LA, VA) passen perfekt zu dieser Lineatur. Die Schul-Druckschriften sind auf diese Lineatur angepasst.

Im 2. Beispiel ist die Mittellänge der Lineatur im Faktor 1,5 größer, also z.B. 6 mm gegenüber 4 mm der Ober- und Unterlänge.

1. Anna Linea / 2. Arial / 3. Dr. Hand (s.o.)

Es ist deutlich zu sehen, dass gegenüber der neuen Schrift "Anna Linea" die Ober- und Unterlänge der sehr bekannten Standard-Druckschrift Arial signifikant kleiner und der Schul-Druckschrift Dr. Hand signifikant größer ist. Daher ist  "Anna Linea" unserer Ansicht nach der ideale Kompromiss. 

 

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